Der No More Mr Nice Guy Guru - Was ich aus der Arbeit mit Dr. Robert Glover gelernt habe
Seit über zwei Jahren arbeite ich mit dem Konzept des Nice Guy Syndroms von Robert und seit fast zwei Jahren auch gemeinsam mit ihm, um anderen Männern zu helfen, ihr Leben und vor allen Dingen ihr Erleben zu verbessern (www.integrationnation.net).
Nice Guys sind gar nicht so nett wie sie scheinen
Ich bin nicht okay, so wie ich bin
Einsamkeit, Wut, Hilflosigkeit. All das sind Emotionen, die wir alle wohl mal erfahren. Bevor ich zu Dr. Glover nach Mexiko gefahren bin, zu einem seiner TPI Seminare gefahren bin, habe ich vieles davon unterdrückt.
Vieles nicht gefühlt. Aber ich wusste immer, dass ich nicht ganz das gemacht habe, was ich eigentlich wollte.
Das ist teil dessen, was Dr. Glover als das Nice-Guy-Syndrom beschreibt.
Ein Angst- und Scham-basiertes Muster von problematischen Verhaltensweisen wie übermäßiger Rücksichtnahme, Konfliktvermeidung und ständiger Suche nach Anerkennung.
Warum tun wir, was wir tun?
So sind Nice Guys, sie tun Dinge, weil sie glauben, dass andere sie deswegen mehr mögen. Sie sind nett, damit andere ihnen Bestätigung geben. Sie haben Ängste, Scham und Schuld, die sie mit niemandem teilen. Sie fühlen sich, als wenn sie nicht sie selbst sein könnten. Als wäre irgendetwas nicht in Ordnung mit ihnen.
Nicht wirklich nett
Vor allem aber trügt der Name Nice Guy. Was wir als Nettigkeit wahrnehmen, ist der Versuch, es anderen recht zu machen. Dahinter steht nicht selten eine verdeckte Vereinbarung, die ein anderes Ziel als nur “Nett” zu sein verfolgt:
“Wenn ich nett zu dir bin, gehst du mit mir aus.”
“Wenn ich nett zu dir bin, bekomme ich die Gehaltserhöhung.”
“Wenn ich nett zu dir bin, bist du auch nett zu mir.”
Hier kratzen wir an der feinen Linie, die Nettigkeit von Unehrlichkeit trennt und große Erwartungen an andere Personen mit sich bringen kann und damit den Weg für Groll und Enttäuschung frei macht.
Nice Guy in Recovery
Dr. Glover ist buchstäblich derjenige, der das Buch über Nice-Guys geschrieben hat (No More Mr Nice/Nie Mehr Mr Nice Guy ). Und er spricht - mit seinen jetzt 68 Jahren - noch immer von sich selbst als “Recovering Nice Guy”. Ein Nice Guy in Genesung.
Das kann auf den ersten Blick etwas frustrierend wirken. Wenn er es selbst nicht geschafft hat, da raus zu kommen. Wie soll ich das denn schaffen?
Das Konzept des Nice Guys in Genesung setzt das Nice Guy Syndrom mit anderen “Suchterkrankungen” in Zusammenhang, um zu zeigen, wie leicht es ist, in alte Verhaltensmuster (Nice Guys Behavior) zurückzufallen.
Mit dieser etwas entmutigenden Wahrheit kommt aber auch immer die Klarheit darüber, dass sein Leben nicht das gleiche gewesen wäre, und all die Dinge die er jetzt in seinem Leben hat nicht existieren würden, wenn er nicht immer noch mit dem Nice-Guy Syndrom kämpfen würde und damit auch so vielen anderen Männern geholfen hätte.
Alleine erreichst du dein Ziel nicht
Meine größte Überraschung und meine größte Herausforderung in meiner Arbeit mit dem Nice Guy Syndrom ist, welche Rolle andere Männer in meiner Entwicklung und welche Rolle ich in der Entwicklung anderer Männer spielen und spielen kann.
Als ich das erste mal “No More Mr Nice Guy - A Proven Plan to get what you want in Love, Sex and Life” gelesen habe, bin ich nur einige Kapitel weit gekommen.
Im Buch gibt es über 40 sogenannte “Breaking Free Activities” - also Aktivitäten, um sein Nice Guy Syndrom zu überwinden. Und die allererste ist:
3 Personen aufzuschreiben. Drei sichere Personen, die dich beim Überwinden deiner Nice-Guy Verhaltensweisen unterstützen können.
Drei Dinge sind mir in dem Moment klar geworden:
Auf keinen Fall werde ich mit irgendwem über meine wirklichen Probleme, Gedanken und Herausforderungen sprechen.
Ich habe gar keine drei Menschen, denen ich mich wirklich anvertrauen würde.
Ich höre an dieser Stelle auf zu lesen.
Danach habe ich 8 Jahre gewartet
Es war eines dieser Bücher, von dem ich dachte, ich weiss schon was drin steht. Warum soll ich es also lesen?
Acht Jahre später, habe ich es nochmal versucht. Ich hatte immer noch keine 3 Menschen um mich zu öffnen, aber das sollte sich bald ändern.
Wem würdest du dich anvertrauen?
Wenn ich mich heute frage, wem ich mich anvertrauen könnte, kommen mir einige Menschen in den Kopf. Das liegt zum einen daran, dass ich mich weniger von meiner Scham, Angst und Schuld bestimmen lasse, aber vor allem auch daran, dass ich über die Jahre wichtige Beziehungen (vor allem mit Männern) kultiviert habe, die von Aufrichtigkeit, Mitgefühl und Verlässlichkeit geprägt sind. Das sind Werte, die ich vorher nicht gelebt habe und somit auch nicht erleben konnte.
Um weiterzukommen brauchst du Mitgefühl
Wenn mir jemand in der Schule gesagt hat, dass Gruppenarbeit ja so wichtig ist, habe ich das nie geglaubt.
In einer Gruppe zu sein (vor allem außerhalb meiner Familie), hat mich immer herausgefordert. Ich war nie gerne in der Schule, in Sportgruppen oder in anderen Arten von sozialen Gruppen, in denen ich mich sicher gefühlt habe. Irgendetwas war immer gefährlich für mich. Unterschwellig war immer eine Angst da. Die Angst nicht dazu zu gehören oder aber zu viel dazu zu gehören und sich nicht genügend differenzieren zu können. Zum MItläufer zu werden. Zum Aussenseiter zu werden. Es war immer schwierig, die richtige Mitte zu finden.
Rückzug als Schutz
Deswegen habe ich mich tendenziell aus Gruppen zurückgezogen. Nicht, dass ich unbeliebt war oder besonders auffällig, aber ich habe mich nie richtig eingelassen, habe immer einen gewissen Sicherheitsabstand gehalten, zumindest innerlich.
Erst als ich angefangen habe, mich auf Gruppen einzulassen - die erste war die Gruppe aus dem oben genannten Seminar mit Dr. Glover - habe ich sehen können, dass andere Männer mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben wie ich.
Perfektionismus
Ich habe lernen können, dass
ich diese Männer als Außenstehender nicht verurteile.
es okay ist, Fehler zu machen.
es okay ist, nicht perfekt zu sein.
es okay ist zu lernen.
All das hat mir geholfen, zu merken, dass ich
auch mich nicht verurteilen muss.
ich Fehler machen darf.
ich nicht perfekt sein muss.
ich lernen darf.
Das alles und noch viel mehr konnte ich in den letzten zwei Jahren lernen, in denen ich mit und um Dr. Robert Glover gearbeitet habe. Obwohl der Titel seines Buches und manche "Gloverismen" sich so anhören, als ginge es in der Nice-Guy-Recovery hauptsächlich um Respekt und Ego, würde ich, wenn ich alles in ein einziges Wort packen müsste, "Gemeinschaft" wählen.
Deine Entwicklung
Wenn du deine Nice-Guy Recovery starten willst, schau gerne in meine Angebote oder suche dir einen der anderen von Dr. Glover zertifizierten "No More Mr Nice Guy Coaches"